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Dr. Anton Liavitski

 

Liavitski

 

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Historisches Seminar
Rempartstraße 15 – KG IV, Raum 4455
79085 Freiburg

Tel.: 0761 203 3456

  

Sprechstunde

Werdegang

 

 

2010-2015

Studium der Geschichte und Politikwissenschaft an der Belarussischen Staatsuniversität Minsk sowie an der Universität Leipzig

2015-2016

Masterstudium der Geschichte an der Belarussischen Staatsuniversität Minsk und der Universität Leipzig

2016-2022

Promotionsstudium in Osteuropäischer Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München

2022-2024

Junior Fellow an der Central European University, Budapest

2024-2025

ESKAS Fellow an der Universität St. Gallen

2025-2026

Junior Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen, Wien

2026

Junior Fellow an der Ludwig-Maximilians-Universität München

5/2026

Berufung zum Akademischen Rat auf Zeit an der Professur für Neuere und Osteuropäische Geschichte der Universität Freiburg

 

Forschungsschwerpunkte

 

  • Geschichte der Sowjetunion
  • Nationalismusforschung
  • Demokratiegeschichte

 

 

Aktuelles Forschungsprojekt

 

Transnationale Räume der Demokratie: Politisches Leben belarussischer, ukrainischer und russischer Emigranten im Prag der Zwischenkriegszeit

Mein aktuelles Projekt wird den Zusammenhang zwischen der zunehmenden Mobilität in Mitteleuropa während der Zwischenkriegszeit und dem Aufbau von Demokratie untersuchen. Europa der 1920er Jahre war ein Ort, an dem konkurrierende ideologische Visionen aufeinanderprallten. Das Ende der Imperien und der Aufstieg der Massenpolitik führten zu einer Debatte über die Zukunft der Demokratie zwischen verschiedenen Modernisierungsprojekten, die von sozialistischen Visionen bis hin zu faschistischen Ideen reichten.

Wie beeinflusste die Erfahrung von Massenmigration die Suche nach einer neuen politischen Ordnung? Um diese Frage zu beantworten, analysiert dieses Projekt das politische Leben ukrainischer, belarussischer und russischer Emigrantengemeinschaften in Prag während der 1920er und 1930er Jahre. Die Migration aus dem zusammenbrechenden Russischen Reich war ein wesentlicher Bestandteil des europäischen Wandels hin zu immer größerer transnationaler Mobilität. Die Emigrantengemeinschaften in Prag, wo sich viele dieser Migranten niederließen, waren entlang nationaler Linien gespalten, und diese Spaltungen überschnitten sich häufig mit einer Vielzahl ideologischer und politischer Konfliktlinien. Zu den bedeutendsten Gruppen gehörten Sozialisten, Monarchisten und Liberale. Das politische Leben der Migrantengemeinschaften in Prag war von einer zunehmenden Polarisierung zwischen diesen Gruppen geprägt, die häufig die breiteren Bruchlinien der europäischen Politik widerspiegelte, insbesondere angesichts des wachsenden Einflusses unterschiedlicher faschistischer und korporatistischer Strömungen.

Durch die Verknüpfung des „Labors der Demokratie“ der Zwischenkriegszeit, des Aufstiegs des Faschismus und der Erfahrungen von Emigranten wird dieses Projekt zu wissenschaftlichen Diskussionen über die widersprüchlichen Dynamiken von Globalisierung und Deglobalisierung im Europa der Zwischenkriegszeit beitragen. Es wird neue Stimmen und Perspektiven einbringen und bislang wenig beachtete Erfahrungs- und Handlungsräume innerhalb sich wandelnder Mobilitätsregime beleuchten.

 

 

Publikationen

 

Monografien

  • Anton Liavitski. 2024. Die Perestroika, die Intelligenzija und die Geburt des weißrussischen Populismus, 1988–1997. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. doi. : 10.13109/9783666302756 
    • Besprechungen: „Lukaschenkos unterschätzte Ideologie,“ Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.11.2024; sieh auch Briefe an die Herausgeber in Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2024, und Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4.12.2024; H-Soz-Kult, 10.3.2025, URL: https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-143942; Ab Imperio, 4/2025.

Aufsätze (Auswahl)

  • Anton Liavitski. 2025. “Contested Legacies of Empire: Nationalism in the Unmaking of Belarusian Democracy, 1990–95.” Kritika 26, no. 4, 831–64. doi. : https://doi.org/10.1353/kri.2025.a974228
  • Anton Liavitski. 2025. “Between Political Diversity and Unity of Interests. Democratisation and the Crisis of Representation in Belarus, 1990–1995.” Archiv für Sozialgeschichte 65, 281–305.
  • Anton Liavitski. 2025. “Negotiating Democracy. A Genealogy of Presidential Power in Belarus, 1991–1996.” Europe-Asia Studies 77, no. 6, 895–918. doi. : 10.1080/09668136.2025.2516651.
  • Anton Liavitski. 2022. “Perestroika und die Ursprünge von Lukaschenkos Konservatismus” (“Perestroika and the Origins of Lukashenka’s Conservatism”). In: Ulrich Mählert u.a. (Hg.): Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2022. Berlin: Metropol Verlag, 189–204.
  • Tatsiana Astrouskaia and Anton Liavitski. 2020. “‘The Phenomenon of Culture is the Phenomenon of Bread’: The Debate on Culture in Belarus (1988–1991).” Baltic Journal of Art History 19, no. 1, 101–28. doi. : 10.12697/BJAH.2020.19.04

 

Rezensionen und Berichte

  • Anton Liavitski. 2023. “Spadok rann’oradyans’koho nacional’noho budivnyctva: bilorus’ka perspektyva” (“The Legacy of the Early Soviet Nation-Building: Belarusian Perspective”). Ukraina Moderna 35, no. 1, 306–19. doi. : 10.3138/ukrainamoderna.35.306

 

Vorträge und Kommentare (Auswahl)

 

03/2026

„The Collapse of the Soviet Union as a Partition: Toward a Critique of the Decolonization Paradigm“, Vortragsreihe „Postcolonial Perspectives – Postdependence Entanglements“, Institute of Ethnology and Cultural Anthropology, Warschau

03/2026

„Partition of the Soviet Union and Scripts of Ethnic Violence in Belarusian Readers’ Mail, 1990–1993“, Workshop „The Violent 1990s? Dislocation, Revival and Renewal after State Socialism“, Tbilisi

10/2025

„Beyond Decolonization: Contesting Nationalism and Empire in Belarus“, Workshop „Beyond the Posts: Defining the Former Soviet Sphere of Influence in a Post-Colonial and Post-Imperial Age“, Bonn

11/2024

„Perestroika, Intelligentsia, and the Birth of Belarusian Populism“, Buchpräsentation, FernUniversität in Hagen

06/2024

„Democratic Minorities: Middle Class, Party Competition, and Diverging Political Cultures of the Post-Soviet City“, Tagung „Partizipation und Repräsentation – eine demokratische Liebesgeschichte?“, Bonn

01/2024

„Politics of Collapse: Democratic Voters in Belarus, 1990–1995“, Kolloquium für Osteuropäische Geschichte, Justus-Liebig-Universität Gießen

11/2023

„Zentrum und Peripherie: Stadt-Land-Gefälle im politischen Diskurs Weißrusslands (1990–1995)“,
Tagung „Die fließenden Grenzen des Kolonialismus: Vor- und Nachteile einer postkolonialen Perspektive für die Erforschung nord- und ostmitteleuropäischer Regionen“, Nordost-Institut, Lüneburg

09/2023

„Post-Soviet Conservatism and Democracy: Belarusian Views of the Russian Constitutional Crisis“,
Workshop „The Tomb of the Soviet Union, or the Womb of Putinism? The 1993 Russian Constitutional Crisis, 30 Years After“, Freie Universität Berlin

09/2022

„How Lukashenka Created an Authoritarian State in Belarus“, Workshop „When Did Reforms End? Change or Perpetuity after Socialism“, Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam

08/2020

„Ein Doktorand berichtet von den Protesten in Minsk“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.8.2020, URL: https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/ein-doktorand-berichtet-von-den-protesten-in-minsk-16915550.html