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Vorlesungsvideos von PD Dr. Martin Faber

 


Geschichte der Eisenbahn (WS 2025/26)

"Nennen Sie mir irgendetwas im 19. Jahrhundert, das nicht von der Eisenbahn beeinflusst wurde!”, sagte der englische Eisenbahnhistoriker Christian Wolmar kürzlich in einer ARTE-Dokumentation. Und in der Tat: Im 19. und vielfach auch noch im 20. Jahrhundert galt die Eisenbahn als Sinnbild des menschlichen Fortschritts und der geschichtlichen Entwicklung. Sie war ein Produkt der industriellen Revolution und trieb diese Revolution selbst weiter voran. Viele ihrer Voraussetzungen wurden allerdings schon früher erfunden: Eisen, das Rad, Schienen und die Dampfmaschine. Und ihre Vervollkommnung führte zu weiteren technischen Fortschritten: zur Entwicklung von besseren Bremsen, von Diesel- und Elektroantrieb und zum Bau von monumentalen Brücken und Tunneln. Das Netz der Schienenstränge wuchs zeitweise rasant, sie begannen die Landschaft zu prägen, und das Reisen mit der Eisenbahn veränderte das Leben der Menschen nachhaltig. Die Mobilität stieg gewaltig, auch bei den unteren sozialen Schichten, während den oberen Schichten in den Zügen Komfort und Luxus geboten wurden. Die Fahrt mit der Eisenbahn wurde zum Erlebnis, das bald seinen Niederschlag in Büchern und Filmen fand. Durch den Eisenbahnbetrieb entstanden ganz neue Berufe, wodurch das neue Verkehrsmittel zu einem der größten Arbeitgeber wurde. Überall wurden Bahnhöfe gebaut, die man in den großen Städten auch als “Kathedralen der Technik” bezeichnete. Der schnellere und massenhafte Transport von Gütern belebte Handel und Produktion nachhaltig, und die Anbindung an die Eisenbahn schuf neue Wirtschaftszentren. Die schrumpfenden Räume führten Menschen zusammen und trugen zur Bildung von Staaten und Nationen bei; selbst die Zeit musste nun überregional vereinheitlicht werden. Doch bald wurden auch negative Folgen sichtbar: Eisenbahnen verunglückten und schädigten die Umwelt, sie erlangten eine immer größere Bedeutung in Kriegen und wurden selbst zum Schauplatz von Verbrechen. Im 20. Jahrhundert schließlich mussten sie sich der Konkurrenz von anderen modernen Verkehrsmitteln stellen, haben sich aber bis jetzt ganz gut behauptet und sind möglicherweise sogar wieder auf dem Vormarsch.
Die Vorlesung wird einen Schwerpunkt auf die Entwicklung der Eisenbahn in Deutschland und Osteuropa legen, aber auch andere Teile der Welt behandeln."

https://videoportal.uni-freiburg.de/category/geschichte-der-eisenbahn/264

 

 

Das geteilte Polen, 1795 - 1918 (WS 2024/25)

Die polnischen Teilungen sind so etwas wie das Alleinstellungsmerkmal der Geschichte Polens. Keine andere Nation verlor ausgerechnet am Beginn des Zeitalters des Nationalismus ihren jahrhundertealten Staat und bekam ihn für 123 Jahre nicht wieder. Allein schon die Frage, wie das passieren konnte, hat seitdem nicht nur die polnische Geschichtswissenschaft nicht mehr losgelassen. Die Antworten reichen von pessimistischen (“Wir waren schuld”) bis zu optimistischen Varianten (“Die anderen waren schuld”). Eine geradezu metaphysische Erklärung lieferte der polnische Messianismus der Romantik, der aus dem Tod Polens den Schluss zog, dass sich in seiner Auferstehung seine besondere Rolle in der Weltgeschichte offenbaren werde. Die Aufteilung des Landes zwischen seinen drei Nachbarn Russland, Österreich und Preußen (später Deutschland) hatte zur Folge, dass die früher polnischen Gebiete nun zu drei verschiedenen Staaten gehörten. Das Königreich Polen, das Königreich Galizien und Lodomerien und das Großherzogtum Posen nahmen sehr unterschiedliche Entwicklungen, was in Polen bis heute nachwirkt. Deshalb muss die Behandlung der Geschichte Polens im 19. Jahrhundert unbedingt auch die Geschichte der Teilungsmächte in dieser Zeit einbeziehen. Aber im Grunde haben sich alle tiefgreifenden Umbrüche dieses Jahrhunderts auf das geteilte Polen ausgewirkt und müssen deshalb in dieser Vorlesung behandelt werden. Die Vorstellungen, auf welche Weise die Polen ihre Unabhängigkeit zurückgewinnen könnten, veränderten sich ständig, je nachdem, wie sich die politische Lage in Europa entwickelte. Jeder der zahlreichen Aufstände gegen die Teilungsmächte hatte einen anderen Charakter und andere Folgen. Außerdem gab es auch unter den Polen selbst unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen, deren Interessen oft weit auseinanderlagen, so dass die gern beschworene Solidarität im Kampf gegen die Teilungsmächte in vielen Fällen nur ein frommer Wunsch blieb. Und natürlich haben sich auch nicht alle Polen 123 Jahre lang nur damit beschäftigt, um die Wiedergewinnung ihres Staates zu kämpfen (obwohl man es in Polen selbst oft so sieht). Viele arbeiteten lange Zeit in verschiedensten Bereichen mit den Teilungsmächten zusammen und profitierten davon. Umgekehrt hatten die polnischen Teilungsgebiete vielfach großen Einfluss auf die Entwicklung bei den Teilungsmächten. Letztlich erwiesen sich aber alle Bemühungen zur Integration der Polen in die großen Imperien als vergeblich. Als die Teilungsmächte sich nicht mehr einig waren und im Ersten Weltkrieg aufeinander losgingen, kam die Chance für die Polen und auch für andere Nationalitäten in Osteuropa. Welch große Veränderungen aber die Zeit der Teilung auch für die polnische Nation mit sich gebracht hatte, wurde daran deutlich, dass der neue polnische Staat ein ganz anderer war als der, der 1795 unterging.

https://videoportal.uni-freiburg.de/category/das-geteilte-polen2C-1795-2D-1918/258

 

Geschichte der Astronomie (WS 2023/24)

Keine andere Wissenschaft hat die Vorstellungen der Menschen von ihrem Platz und ihrer Rolle in der Welt so geprägt wie die Astronomie. Schon die frühesten Kulturen haben Himmelskörper als Götter verehrt und Bauwerke errichtet, die auf sie ausgerichtet waren. Sie haben ihre Kalender nach Himmelskörpern berechnet und mit ihrer Hilfe versucht, die Zukunft vorherzusagen und die richtigen Wege auf dem Land und auf dem Meer zu finden. Anhand der Bewegungen der Gestirne am Himmel versuchten sie sich zu erklären, wie die Welt aufgebaut ist. Dabei gelangten sie je nach Zeit und Ort zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen, und wenn diese miteinander konfrontiert wurden, konnte das zu beträchtlichen Konflikten führen. Erst im Verlauf der letzten Jahrhunderte hat die Astronomie mit großem Aufwand ein im Wesentlichen einheitliches Bild vom Aufbau des Universums entwickelt (das aber immer noch in vieler Hinsicht umstritten ist und sich ständig verändert).
Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb sind über die Geschichte der Astronomie viele falsche Vorstellungen und viel Halbwissen im Umlauf, möglicherweise auch deswegen, weil die meisten Historiker sich nicht besonders für Naturwissenschaften interessieren. Dabei lassen sich naturwissenschaftliche Erkenntnisse sogar besonders gut verstehen, wenn man nachvollzieht, wie sie sich im Lauf der Zeit entwickelt haben (wobei es auch sehr lehrreich ist, sich eingehend mit den Vorstellungen zu beschäftigen, die sich später als falsch herausgestellt haben). Das zu vermitteln will allerdings gekonnt sein, und genau darauf soll sich diese Vorlesung konzentrieren. Besondere naturwissenschaftliche Vorkenntnisse sind ausdrücklich nicht erforderlich, nützlich wäre allerdings die Bereitschaft, gelegentlich abends den Sternenhimmel zu beobachten, wozu es in der Vorlesung auch Hilfen geben wird. Ein hoher Grad an optischer Unterstützung soll aber schon im Hörsaal geboten werden, mit zahlreichen Bildern, Animationen und Filmen in der Präsentation. Dann wird hoffentlich klar werden, warum sich im Lauf der Menschheitsgeschichte zwar kaum der Sternenhimmel verändert hat, wohl aber die Methoden und die Instrumente, um ihn zu beobachten, und die Theorien und Weltbilder, die man aus den Beobachtungen abgeleitet hat. Man wird erfahren, wer die bedeutenden Astronomen waren, welche Rolle sie in ihren Gesellschaften spielten und wie sich ihre Erkenntnisse verbreiteten. Und man wird schließlich sehen, welch großen Einfluss astronomische Erkenntnisse auf das Leben der Menschen gehabt haben: zum Beispiel auf andere Wissensbereiche wie Physik, Philosophie, Theologie oder Astrologie, auf die Entwicklung von Zeitrechnung, Medizin und Technik und nicht zuletzt auch auf Kultur und Kunst.

https://www.videoportal.uni-freiburg.de/category/geschichte-der-astronomie/249

 

Ostmitteleuropa zwischen den Weltkriegen, 1918-1939 (SS 2022)

Am Ende des 1. Weltkriegs kam es in Russland zur Revolution, das Österreichisch-Ungarische Reich der Habsburger löste sich auf, und Deutschland war durch seine Niederlage im Krieg sehr geschwächt. Infolgedessen wurde Ostmitteleuropa zu einer Region kleinerer Staaten von Nationen, die sich entsprechend ihrem Selbstverständnis nach langer Fremdherrschaft zu politischer Eigenständigkeit befreit hatten. Im nördlichen Bereich entstanden Estland, Lettland und Litauen, Polen und die Tschechoslowakei, in der Mitte bestanden Österreich und Ungarn als verkleinerte Staaten weiter, und im Süden unterlagen auch die Nachfolgestaaten des Osmanischen Reichs großen Veränderungen: Bulgarien wurde kleiner, Rumänien viel größer, Serbien schloss sich mit anderen Nationalitäten zu Jugoslawien zusammen, und nur das kleine Albanien behielt sein Vorkriegsterritorium bei. Mit Unterstützung der Siegermächte des Weltkriegs wurden überall zunächst demokratische Ordnungen eingeführt, die bei den Bevölkerungen große Erwartungen weckten. Doch nun mussten sich alle Staaten gegen die beiden Großmächte im Westen und Osten,

Deutschland und die Sowjetunion, behaupten, und sie bekamen auch sofort zu spüren, wie gegensätzlich sie untereinander waren. Nicht nur hatten sie im 1. Weltkrieg auf verschiedenen Seiten gestanden, sondern es gab auch immense Unterschiede in ihrer Größe, Religion, wirtschaftlichen Entwicklung, Bevölkerungsstruktur und historischen Tradition. Schon bei der Ziehung ihrer Grenzen in der Zeit nach dem Krieg gerieten sie zum Teil in heftige Konflikte untereinander, die oftmals durch kriegerische Auseinandersetzungen ausgetragen wurden. Meistens schwelten diese Konflikte während der ganzen Zwischenkriegszeit weiter und erschwerten die Zusammenarbeit. In vielen dieser Staaten gab es nationale und jüdische Minderheiten, die ihre Interessen geltend machten, was als Reaktion bei den Vertretern der Staatsnationen zu wachsendem Nationalismus führte. Auch wirtschaftliche Schwierigkeiten ließen die Skepsis gegenüber den Demokratien wachsen. Die politischen Sitten waren rau, und in fast allen Staaten Mittelosteuropas kamen im Lauf dieser 20 Jahre Diktatoren oder autoritäre Herrscher an die Macht, die mit dem Anspruch auftraten, dass nur sie eine Politik im Interesse ihres Landes durchsetzen könnten. Trotzdem wurden überall weiterhin Diskussionen über das Selbstverständnis der eigenen Nation und über ihre Rolle in der Geschichte geführt. Diese Fragen verloren zwar an Bedeutung, als ein großer Teil dieser Länder im 2. Weltkrieg durch das nationalsozialistische Deutschland besetzt und nach dem Krieg zu Satellitenstaaten der Sowjetunion wurde, aber nach 1989 wurden sie wieder aktuell und sind es bis heute.


https://www.videoportal.uni-freiburg.de/category/ostmitteleuropa-zwischen-den-weltkriegen/238

 

Die Donaumonarchie Österreich-Ungarn (SS 2021)

Schon die Zeitgenossen wussten nicht recht, was sie von diesem Staat halten sollten. War es ein “Völkerkerker”, in dem unterdrückte Nationen sich nach Befreiung in eigenen Staaten sehnten oder war es ein Musterbeispiel für friedliches Zusammenleben unterschiedlicher Sprachen und Kulturen? War der Kaiser Franz Joseph ein Relikt aus früheren Zeiten oder ein wohlwollender und gerechter Herrscher aller seiner Untertanen? Arbeitete die Verwaltung in diesem Reich effektiv oder schlampig? War der Staat modern oder rückständig? Und war dieses Gebilde unausweichlich früher oder später zum Untergang verurteilt oder war es ein Vorläufer der heutigen EU und hätte vielleicht eine große Zukunft gehabt, wenn man es nicht im 1. Weltkrieg zu Grunde gerichtet hätte? Die Vorlesung wird ganz bestimmt auf all diese Fragen keine eindeutigen Antworten liefern. Aber sie wird viel Stoff zum Nachdenken bieten über die geschichtliche Entwicklung in der zweiten Hälfte des 19. und am Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie wird Einblicke geben in das System der europäischen Mächte in dieser Zeit, die Entwicklung von Nationalismen, den Umgang mit den Juden, die Auseinandersetzungen zwischen monarchischem und demokratischem Prinzip, in Industrialisierung und soziale Frage, den Ausbau des Verkehrswesens und der Gesundheitsfürsorge, in die Entwicklung von Justiz und Verwaltung, Militärwesen und Kriegführung. Sie wird europäische Regionen behandeln, von deren Geschichte man sonst kaum etwas erfährt. Und natürlich wird sie auch auf das reiche Erbe eingehen, das die Donaumonarchie in Wissenschaft und Kultur, in Literatur und Musik hinterlassen hat und das ihm bis heute so viele Freunde sichert. Der Schwerpunkt der Vorlesung wird auf der Zeit von 1867-1918 liegen, aber auch die Vorgeschichte soll ausreichend erläutert werden. 


https://www.videoportal.uni-freiburg.de/category/die-donaumonarchie-Oesterreich2Dungarn/227

 

Das Zeitalter der Entdeckungen (WS 2020/21)

Der Titel der Vorlesung ist eigentlich veraltet. Heutzutage spricht und schreibt man eher von der “europäischen Expansion” in die Welt, die sich seit dem späten Mittelalter vollzog und die manchen als bis heute nicht abgeschlossen gilt. Fast alle Länder, in die Europäer in dieser Zeit gelangten, waren schon von anderen Menschen bewohnt, und die Europäer entdeckten sie nicht nur zuerst für sich, sondern sie besetzten und kolonisierten sie auch und beuteten ihre Menschen und Rohstoffe aus. All dies kann und soll die Vorlesung nicht ausblenden. In ihrem Mittelpunkt soll aber der Prozess stehen, bei dem die Europäer (und auch die Menschen in den von ihnen entdeckten Ländern) während der frühen Neuzeit eine neue Vorstellung von der Gestalt der Erde bekamen. Einzelne Protagonisten dieses Prozesses und ihre Errungenschaften sind dem breiten Publikum gut bekannt: Kolumbus, Vasco da Gama, Ferdinand Magellan oder James Cook. Aber viele andere Seefahrer, die auch bedeutende Entdeckungen gemacht haben, kommen in populären Darstellungen meistens nicht vor. Ähnliches gilt für die, die zu Land unterwegs waren und große Ländermassen zum ersten Mal erkundeten, wie zum Beispiel bei der Ausbreitung des russischen Reichs nach Sibirien. Überhaupt erscheinen alle diese Leistungen in einem neuen Licht, wenn man die Vorgänge, deren Teil sie waren, umfassend in den Blick nimmt. Warum begann dieser Prozess gerade in Europa, welche Motivationen standen hinter ihm und welche technischen Voraussetzungen hatte er? In welchen Etappen verlief der Prozess der Welterkundung und in welchem Zusammenhang standen die verschiedenen Phasen? Wie verbreiteten sich die neuen Kenntnisse über die Gestalt der Erde in der Bevölkerung und welche Folgen hatten sie? Denn entdeckt wurden nicht nur neue Länder, sondern auch neue Menschen, Tiere, Pflanzen, Krankheiten, Landschaften, Rohstoffe, Kulturen und noch viel mehr. Wer sich mit diesen Fragen befasst, erfährt notwendigerweise auch eine Menge über die Geschichte von zahlreichen Wissensgebieten: Schiffsbau und Navigation, Kartografie, Astronomie, Klima, Völkerkunde, Biologie, Medizin, Wirtschaft usw. Nicht zuletzt deshalb sollen auch die Möglichkeiten moderner Präsentation mit Hilfe von Bildern und Karten in der Vorlesung voll ausgenutzt werden.


https://www.videoportal.uni-freiburg.de/category/das-zeitalter-der-entdeckungen/222

 

Das Osmanische Reich und Europa (SS 2020)

Jahrhundertelang zitterte Europa vor “den Türken”. Das Osmanische Reich war eine Großmacht auf drei Kontinenten. Seit dem 14. Jahrhundert breitete es sich von seinem Kern in Kleinasien scheinbar unaufhaltsam im arabischen Raum, in Nordafrika und im südöstlichen Europa aus, ehe diese Expansion im 17. Jahrhundert stagnierte und danach mehr und mehr in einen Verfall überging. Im 19. Jahrhundert erwarb das Reich sich den Ruf eines “kranken Manns am Bosporus” und wäre wohl völlig liquidiert worden, wenn die Rivalität der neuen europäischen Großmächte dies nicht verhindert hätte. 1923 wurde die Herrschaft der Sultane dann durch die türkische Republik abgelöst. Die Vorlesung wird ihren Schwerpunkt auf den europäischen Teil des Reichs legen, wo christliche Völker durch Jahrhunderte unter osmanischer (und damit islamischer) Herrschaft standen und davon stark geprägt wurden. Umgekehrt haben auch in der Führung des Osmanischen Reichs Europäer aus den unterworfenen Gebieten immer einen großen Einfluss gehabt. Der Umgang mit den Türken war geprägt von Furcht und Unterdrückung, aber auch von Toleranz und Zusammenarbeit zu gegenseitigem Nutzen. Doch nicht nur die Völker auf dem Balkan, auch die Staaten Westeuropas mussten sich mit den Osmanen auseinander setzen. Die italienischen Stadtrepubliken Venedig und Genua, später auch England und Frankreich sicherten ihren Handel mit dem Orient teils durch Kriege und teils durch diplomatische Beziehungen mit dem Osmanischen Reich. Seeräuber aus dem osmanischen Nordafrika kaperten Schiffe aus den christlichen Staaten und landeten an europäischen Küsten bis nach Island, um Menschen zu fangen und in die Sklaverei zu verschleppen. Die Zurückdrängung der Türken in Europa geschah zunächst durch die Großmächte Österreich und Russland, bis im 19. Jahrhundert auch die entstehenden Nationen in Südosteuropa selbst erfolgreich für ihre Befreiung kämpfen konnten. Das Osmanische Reich, das sich den Europäern lange überlegen gefühlt hatte, versuchte aus der Defensive zu kommen, indem es europäische Muster übernahm, was aber letztlich zu seiner Auflösung und zur Gründung des modernen türkischen Nationalstaats führte. 


https://www.videoportal.uni-freiburg.de/category/das-osmanische-reich-und-europa/218

 

Osteuropa im Mittelalter (WS 2019/20)

Alle osteuropäischen Nationen berufen sich heute auf Ursprünge im Mittelalter. Aber ihre Interpretationen der damaligen Ereignisse unterscheiden sich beträchtlich. Denn im Mittelalter ging es in Osteuropa meistens turbulent zu. Ein großer Teil wurde im 5.-7. Jahrhundert von den Slawen besiedelt, von denen immer noch nicht klar ist, wo sie hergekommen sind. Ihre Christianisierung ab dem 9. Jahrhundert ging einher mit der Gründung von Dynastien und Reichen: in Böhmen, Polen, der Kiewer Rus und Kroatien.
Doch hatten die Slawen nie ein Monopol auf die Herrschaft über Osteuropa. Balten, Rumänen, Albaner und Griechen gehörten zu anderen Sprachfamilien, und darüber hinaus wurde die Region immer wieder von wilden Reitervölkern aus den asiatischen Steppen heimgesucht: von Awaren, Bulgaren, Petschenegen, Ungarn, Kumanen, Mongolen und schließlich von Tataren und Kosaken. Von diesen verschwanden manche so schnell, wie sie gekommen waren, doch andere ließen sich nieder, nahmen das Christentum an und wurden zu europäischen Nationen. Aber auch von Westen wurde Osteuropa bevölkert: Die deutsche Ostsiedlung breitete sich über weite Gebiete aus, und der Deutsche Ritterorden gründete sogar einen eigenen Staat an der Ostsee. Im späten Mittelalter entstanden die kurzlebigen Großreiche der Litauer und Serben und die langlebigen Großreiche der Moskauer Rus und der osmanischen Türken. Nicht zu vergessen sind auch die vielen Juden, die vor allem im Spätmittelalter nach Osteuropa und von da ab überall einen wichtigen Teil der Bevölkerung stellten. Die Vorlesung wird einen Überblick über all diese Entwicklungen (und noch mehr) geben, der auch für die Beschäftigung mit späteren Epochen der osteuropäischen Geschichte sehr nützlich sein kann.


https://www.videoportal.uni-freiburg.de/category/osteuropa-im-mittelalter/210

 

Der Erste Weltkrieg in Osteuropa (SS 2019)

Der 1. Weltkrieg nahm seinen Ausgang bekanntlich in Osteuropa, mit dem Attentat von Sarajevo, hatte aber nach kurzer Zeit seine wichtigste Front in Frankreich und Belgien. Doch während diese Front verhältnismäßig kurz war und in einem Stellungskrieg erstarrte, an dem auch jahrelange Materialschlachten kaum etwas änderten, waren die Fronten im Osten lang und beweglich.
Deshalb waren mehr Regionen vom Krieg betroffen, und die Zahl der Kriegsgefangenen war auf beiden Seiten sehr hoch. Und nicht nur die militärische, sondern auch die politische Lage änderte sich ständig. Außer den nationalen Bevölkerungen der Großmächte Russland, Deutschland und Österreich-Ungarn lebten hier zahlreiche weitere Völker, teils schon in eigenen Staaten, teils noch als Minderheitsbevölkerungen in den Staaten der Großmächte. Sie wurden nun von den beiden großen Kriegsparteien umworben und hofften deshalb auf die baldige Erfüllung ihrer nationalen Wünsche. Gerade die Deutschen wussten nicht recht, was sie mit den eroberten Gebieten anfangen sollten und errichteten in dem militärischen Besatzungsgebiet “Ober-Ost” ein Kolonialregime, von dem heute manche Forscher behaupten, es sei ein Vorläufer der deutschen Vernichtungspolitik in Osteuropa im 2. Weltkrieg gewesen. Zwei Staaten (Italien und Rumänien) traten in den Krieg gegen die Mittelmächte ein, weil sie hofften, größere Gebiete von Österreich-Ungarn für sich gewinnen zu können. Beide hatten militärisch keinen Erfolg, sondern erst nach dem Krieg bei der Friedenskonferenz. Dagegen errangen die Deutschen und Österreicher an der Ostfront sogar den Sieg, als 1917 das Zarenreich zusammenbrach und sie das neue bolschewistische Regime zu immensen Gebietsverzichten zwingen konnten. Jedoch war ihre Freude von kurzer Dauer, denn mit der Niederlage im Westen gingen Ende 1918 alle Gewinne im Osten wieder verloren, und nach dem russischen mussten auch der deutsche und der österreichische Kaiser abdanken. Bei der Pariser Friedenskonferenz wollten die Westmächte in Osteuropa das Selbstbestimmungsrecht der Völker zur Geltung bringen. Aber sie mussten feststellen, dass die kleinen Nationen dort sich nun untereinander in die Haare gerieten und für ihre Staaten Gebiete forderten, die sich gegenseitig überschnitten. Um die eigenen Ansprüche zu begründen, wurde die Geschichte Osteuropas bis zurück ins Mittelalter aufgerollt. Doch selbst Volksabstimmungen halfen nicht viel, und da die Westmächte auf Osteuropa kaum einen militärischen Zugriff hatten und der neue Sowjetstaat in Russland von der Friedenskonferenz gänzlich ausgeschlossen war, fanden in Osteuropa auch nach 1918 weitere kriegerische Auseinandersetzungen von zum Teil erheblichem Ausmaß statt. So war eigentlich erst 1923 die Nachkriegsordnung dort voll etabliert. Sie stieß allerdings auch danach noch auf viel Unzufriedenheit, so dass hier der Konfliktstoff für künftige Kriege bereits angelegt war.

https://www.videoportal.uni-freiburg.de/category/der-erste-weltkrieg-in-osteuropa/207

 

Reformation und Gegenreformation in Ostmitteleuropa (WS 2017/18)

Dass die Reformation sich nicht nur in Deutschland abgespielt hat, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Reformationsgeschichten berichten von den Entwicklungen in Frankreich, England, der Schweiz, den Niederlanden, Italien, Skandinavien, vielleicht Nordamerika und meistens auch ein kleines bisschen in Osteuropa. In dieser Vorlesung machen wir aus dem kleinen bisschen einmal die Hauptsache. Nach einem Überblick über die Anfänge der reformatorischen Bewegung wendet sich die Vorlesung der Region zu, in der diese ihre wohl bunteste Ausprägung erfuhr.

In Osteuropa hatte die katholische Kirche sich schon vor der Reformation in stärkerem Maß als im Westen mit anderen Konfessionen und Religionen auseinandersetzen müssen: mit der orthodoxen Kirche, mit dem Judentum und mit dem Islam. In der frühen Neuzeit stand diese Region dann unter dem schwankenden Einfluss von Großmächten unterschiedlicher Konfession: der islamischen Türken, der katholischen Habsburger, der protestantischen Schweden und der orthodoxen Russen. Wo deren Einflüsse sich einigermaßen die Waage hielten oder sich ihnen starke örtliche Stände entgegenstellten, hatten die verschiedenen protestantischen Bekenntnisse - zumindest zeitweise - große Chancen. In die Regionen, in die die deutsche Ostsiedlung des Mittelalters gedrungen war, gelangte schnell das Luthertum und trug zum Beispiel im Baltikum dazu bei, die Sprache kleinerer Ethnien durch ihre Verschriftlichung zu bewahren. In Polen wollte der Adel sich nicht durch religiöse Kämpfe aufreiben, was zu einer einzigartigen Vielfalt von Konfessionen führte. Nicht nur Luthertum und Calvinismus verbreiteten sich in Polen und Litauen, sondern auch Hussiten, Antitrinitarier und Täufer fanden dort zeitweise eine sichere Heimstatt. In Böhmen gab es mit den Hussiten schon vor der Reformation eine andere Konfession als die katholische, in der dann protestantische Ideen zum Teil bereitwillig aufgenommen wurden. Der Versuch der habsburgischen Landesherren, diese Bewegung zu unterdrücken, löste 1618 den Dreißigjährigen Krieg aus, der Auswirkungen in ganz Europa hatte. In Ungarn und Siebenbürgen konnten sich verschiedene protestantische Konfessionen paradoxerweise gerade deshalb weitgehend ungestört entwickeln, weil große Teile dieser Länder unter der Herrschaft der Türken standen. Die führenden Vertreter dieser Konfessionen standen damals in intensivem Kontakt mit ihren Glaubensbrüdern in Westeuropa. Erst als die Türken nach 1683 aus Ungarn verdrängt wurden, konnten die Rekatholisierungsversuche der Habsburger dort in großem Stil einsetzen, waren dann allerdings auch erfolgreich.

Der katholischen Gegenreformation mit den Jesuiten an der Spitze gelang es schließlich, den Protestantismus weitgehend wieder aus Ostmitteleuropa zu verdrängen und durch Kirchenunionen sogar Teile der orthodoxen Kirche an die katholische Kirche anzuschließen. Doch haben die reformatorischen Episoden in Polen, Böhmen und Ungarn dazu geführt, dass sich diese Nationen seit dem 19. Jahrhundert, als diese Tugend in Mode kam, für besonders tolerant halten.

https://www.videoportal.uni-freiburg.de/category/reformation-und-gegenreformation-in-ostmitteleuropa/155

 

Polen im 20. Jahrhundert (WS 2016/17)

Die Geschichte Polens war im 20. Jahrhundert geprägt von einer Abfolge von Fremd- und Selbstherrschaft. Bis 1918 war das Land noch geteilt zwischen seinen Nachbarn Deutschland, Österreich und Russland. Nach der Wiedererrichtung als selbstständiger Staat mussten die Grenzen neu bestimmt werden. Schließlich lebten in dem neuen Staat zahlreiche Minderheiten, die sich ihrerseits oft unterdrückt fühlten, während Polen nun sogar nach Kolonialherrschaft in Afrika strebte. Der Zweite Weltkrieg brachte die größte historische Katastrophe für das Land und anschließend eine massive Verschiebung seiner Grenzen und seiner Bevölkerung. Es folgte ein vierzigjähriges kommunistisches Regime, von dem immer noch diskutiert wird, inwieweit in ihm Polen oder Russen dominierten. Die Wiedererlangung der vollständigen Unabhängigkeit machte es ab 1989 erforderlich, Polens Selbstverständnis und seinen Platz in Europa neu zu bestimmen, ein Prozess der bei Weitem noch nicht abgeschlossen ist. Die Vorlesung soll vor allem darauf eingehen, wie dieses Geschehen aus der polnischen Innenperspektive erlebt wurde. Das Schwanken des nationalen Bewusstseins zwischen Opferrolle und Größenwahn hat Mentalitäten geprägt, die so in kaum einem anderen Land anzutreffen sind und die zumal in der epochalen Gestalt von Papst Johannes Paul II. Einfluss auf die ganze Welt genommen haben. Um dies deutlich zu machen, sollen im Lauf der Vorlesung auch historische polnische Filmdokumente mit deutscher Übersetzung gezeigt werden.

https://www.videoportal.uni-freiburg.de/category/polen-im-202E-jahrhundert/138